Fast jede Wetterlage lässt sich auf eine einzige Frage zurückführen: Steigt die Luft oder sinkt sie? Steigende Luft macht Wolken, sinkende Luft löst sie auf. Hoch und Tief sind nichts anderes als die beiden Antworten darauf.

Luftdruck in einem Satz

Der Luftdruck ist das Gewicht der Luftsäule über einem Punkt. Gemessen wird er in Hektopascal; auf Meereshöhe liegt der Mittelwert bei 1013,25 hPa. Ein Hoch ist ein Gebiet, in dem der Druck höher ist als ringsum, ein Tief eines, in dem er niedriger ist. Die absoluten Zahlen sind dabei weniger wichtig als der Unterschied zur Umgebung – daraus entsteht alles Weitere.

Schnitt durch ein Hoch und ein Tief: im Hoch strömt die Luft oben zusammen und sinkt ab, am Boden strömt sie im Uhrzeigersinn nach außen; im Tief steigt sie auf und strömt am Boden gegen den Uhrzeigersinn nach innen.
Der ganze Unterschied auf einen Blick: absinkende gegen aufsteigende Luft.

Das Hoch: die Luft kommt von oben

In der Höhe strömt Luft zusammen und muss irgendwo hin – sie sinkt ab. Beim Absinken gerät sie unter höheren Druck, wird zusammengedrückt und erwärmt sich dabei um rund 1 °C je 100 Meter. Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen, die relative Feuchte sinkt, und vorhandene Wolken lösen sich auf. Am Boden angekommen fließt die Luft nach außen ab – auf der Nordhalbkugel im Uhrzeigersinn.

Das Ergebnis ist stabile, geschichtete Luft: wenig Vertikalbewegung, wenige Wolken, ruhiges Fliegen abseits des Geländes.

Das Tief: die Luft kommt von unten

Am Boden strömt Luft von allen Seiten zusammen – gegen den Uhrzeigersinn und nach innen – und weicht nach oben aus. Beim Aufsteigen dehnt sie sich aus und kühlt ab, die relative Feuchte steigt, ab dem Kondensationsniveau entstehen Wolken. Reicht der Auftrieb weit genug, wird daraus Niederschlag, bei genügend labiler Schichtung auch Gewitter.

Das Ergebnis ist unbeständige Luft: wechselnde Bewölkung, tiefe Untergrenzen, Schauer, Böen und Turbulenz.

Was das für einen Flugtag bedeutet

  • Ein Hoch ist nicht automatisch ein guter Flugtag. Absinkende Luft baut eine Inversion auf, unter der sich Dunst, Rauch und Feuchtigkeit sammeln. Die Sicht kann dann bei strahlendem Sonnenschein über der Schicht am Boden erbärmlich sein.
  • Im Winter kippt das ins Gegenteil. Ein kräftiges Hoch bringt in Süddeutschland gerne tagelangen Hochnebel: geschlossene Untergrenze bei 300 Metern, darüber blauer Himmel.
  • Der Wind steht nicht im Zentrum, sondern am Rand. In der Mitte eines Hochs ist es meist windschwach; zwischen einem Hoch und einem benachbarten Tief kann es kräftig wehen.
  • Im Tief zählt die Zeit. Zwischen zwei Schauerstaffeln ist oft ein brauchbares Fenster – aber es schließt sich schneller, als der Rückflug dauert.
  • Thermik braucht Labilität. Die schönsten Thermiktage liegen selten mitten im Hoch, sondern an seinem Rand oder in einer schwachgradientigen Zwischenhochlage.

Zum Merken

Hoch = absinken, auseinander, stabil. Tief = aufsteigen, zusammen, unbeständig.

Alle Angaben zum Drehsinn gelten für die Nordhalbkugel. Südlich des Äquators dreht es sich genau andersherum.