Eine Front ist die Grenze zwischen zwei Luftmassen unterschiedlicher Temperatur und Feuchte. Weil sich die beiden nicht mischen wollen, schiebt sich die eine über oder unter die andere – und genau dort passiert das Wetter. Vier Formen kommen vor.
1. Die Kaltfront
Kalte, schwere Luft schiebt sich keilförmig unter die warme und hebt sie an. Weil die Vorderkante steil ist, geschieht das schnell und auf engem Raum: es entstehen mächtige Quellwolken bis hin zum Cumulonimbus, dazu Schauer, Böen und Gewitter. Der Spuk dauert selten lange – nach dem Durchgang dreht der Wind, die Temperatur fällt und die Sicht wird oft hervorragend.
2. Die Warmfront
Umgekehrt gleitet warme Luft auf eine zurückweichende Kaltluftmasse auf. Die Aufgleitfläche ist sehr flach – auf 100 Kilometer Strecke steigt sie nur wenige hundert Meter an. Deshalb kündigt sich eine Warmfront lange vorher an: erst Cirren, dann Cirrostratus mit Halo, danach Altostratus, schließlich Nimbostratus mit anhaltendem Landregen. Der Druck fällt vor der Front und beruhigt sich nach dem Durchgang; die Temperatur steigt.
3. Die stationäre Front
Treffen zwei Luftmassen aufeinander, ohne dass sich eine durchsetzt, bleibt die Grenze liegen. Das Wetterbild ähnelt einer schwachen Warmfront – nur dass es sich nicht weiterbewegt: geschlossene Bewölkung, Nieselregen oder anhaltender Regen, trüb und feucht, oft über Tage. Für die Flugplanung ist das die undankbarste Lage, weil die Besserung nicht in Sicht ist.
4. Die Okklusion
Kaltfronten sind schneller als Warmfronten. Holt die eine die andere ein, wird die Warmluft vollständig vom Boden abgehoben – die Front ist okkludiert. Am Boden treffen dann nur noch zwei kalte Luftmassen aufeinander; das Wetter vereint Züge beider Fronten: breite Bewölkung, ausgedehnter Niederschlag, dazu je nach Typ auch Schauer. Die Okklusion ist das Zeichen dafür, dass ein Tief seinen Höhepunkt überschritten hat.
Wie das zusammenhängt
Die vier Frontarten sind keine getrennten Erscheinungen, sondern Stationen im Leben eines Tiefs. Aus einer Welle an der stationären Polarfront entsteht ein Tief mit Warm- und Kaltfront. Der Sektor warmer Luft dazwischen wird immer schmaler, bis die Kaltfront die Warmfront einholt – das Tief okkludiert und füllt sich auf. Deshalb ziehen Fronten in Mitteleuropa fast immer in dieser Reihenfolge durch: Warmfront, Warmsektor, Kaltfront.
Was das für einen Flugtag bedeutet
- Warmfront heißt: geduldig sein. Sie bringt tiefe, geschlossene Untergrenzen, schlechte Sicht, Nieselregen und häufig Nebel – und das über viele Stunden.
- Kaltfront heißt: kurz, aber ernst. Schauerböen, Windsprünge um 60° und mehr, Scherung im Anflug. Danach ist es oft der schönste Tag der Woche.
- Der Warmsektor täuscht. Zwischen den beiden Fronten wird es milde und die Wolken lockern auf – aber die Kaltfront steht schon dahinter.
- Cirren am Morgen sind eine Vorwarnung. Sie laufen der Warmfront rund einen Tag voraus. Wenn sie zu Cirrostratus mit Halo dichter werden, ist die Front auf dem Weg.
- Fronten sind keine Linien, sondern Zonen. Die Karte zeigt die Bodenlage; oben liegt die Front weiter voraus, und ihr Wetter beginnt oft 100 Kilometer vor dem eingezeichneten Strich.